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08.07.2018

Das Feld hielt, was es versprach!

Tennis wird im Kopf entschieden. Diese Tatsache wurde wieder einmal eindrucksvoll bei den mit 43.000 Euro dotierten Marburg Open aufgezeigt. Bei Publikumsliebling Dustin Brown zeigte sich die mentale Seite leider von ihrer unangenehmen Art. Nach vier Erstrundenniederlagen in Folge war das Selbstbewusstsein sichtlich beschädigt und so konnte Dustin gegen den späteren Sieger Londero nur Stichproben seines Könnens präsentieren. Finalist Hugo Dellien kam im Viertelfinale gegen den bärenstarken Thomaz Bellucci nach einem 1:5 im dritten Satz zurück. Zu diesem Zeitpunkt hätte auf der voll besetzten Tribüne wohl niemand mehr einen Pfifferling auf ihn gesetzt und fast wäre ihm das Kunststück auch im Endspiel gelungen als er mit 2:5 und einem Break ins Hintertreffen geraten war. Doch auf der anderen Seite stand mit Londero ein Spieler, dem man den Willen und die Gier den Titel zu holen im Gesicht ansehen konnte. Dass er taktisch ausgereift ist, zeigte er schon im Halbfinale gegen den 17-jährigen Kanadier Felix Auger-Aliassime, als er nach gewonnenem ersten Satz den zweiten Durchgang am Ende praktisch ohne Gegenwehr abgab. Er hatte sich mental voll auf den Beginn des entscheidenden Dritten vorbereitet und lieferte dort eine beeindruckende Vorstellung ab. Und so gab es viele weitere Matches, die erst im dritten Satz im Tie-Break entschieden wurden. Eines davon holte sich der mittelhessische Lokalmatador Julian Lenz im Duell mit Rudi Molleker, der größten Deutschen Nachwuchshoffnung nach Alexander Zverev. „Für uns war Julian natürlich die positive Überraschung des Turniers. Er hatte kein einfaches Jahr und gerade viele Punkte aus der vergangenen Saison verloren. Mit Ofner in der ersten Runde hatte er eben auch das nötige Quäntchen Glück in der Auslosung, da sich der Österreicher gerade nicht in Topform befindet. Im Tennis musst du in der Lage sein die wenigen sich bietenden Chancen im Jahr zu nutzen. Das hat Julian hervorragend umgesetzt.“ sagte ein sichtlich zufriedener Turnierdirektor. Zufrieden zumindest, wenn es um den sportlichen Part geht. Eine 10. Auflage der Marburg Open sieht er aktuell nicht kommen. „Es sind viele Faktoren, die eine erneute Austragung mehr als unwahrscheinlich werden lassen. Die finanziellen Anforderungen der ATP steigen.

 

48 statt 32 Spieler in 2019

 

Nächstes Jahr müsste ich 48 statt 32 Hauptfeldspieler unterbringen. Da braucht es nur zwei Tage zu Beginn des Turniers regnen und man hat 8.000 – 10.000 Euro Mehrkosten. Der personelle Aufwand müsste auch stark erhöht werden. Ich will ja nur ein Tennisturnier in Marburg ausrichten, keine olympischen Spiele. Die Räumlichkeiten reichen einfach nicht aus für Physio, Anti-Doping, Livestream, Livescore, Schiedsrichter, Spieler, Ballkinder usw. Die Anlage ist nicht für ein Turnier dieser Größenordnung gemacht und die Sicherheitsstandards erfüllt sie auch nicht.  Als Veranstalter haftet man nun mal eben auch für eventuelle Schäden bzw. Unfälle. Die Gastronomen im TV haben keine Lust auf das Turnier und das gibt dann auch schnell eine Atmosphäre, in der ich auch nicht arbeiten möchte. Dann herrscht im Verein ein hoher Neid und eine Missgunst, was mir immer wieder von unbeteiligten dritten berichtet wird, das ist schon befremdlich, zumal das Menschen sind, die keinen Finger für das Turnier krumm machen, während sich andere unaufgefordert massiv einbringen, denen man nicht genug für ihren Einsatz danken kann. Da inzwischen über 70 Prozent der Besucher nicht aus Marburg kommen, stellt sich sowieso die Standortfrage.“ So enden die Marburg Open mit dem stärksten Feld, das es jemals hatte, denn der Cut für das Hauptfeld lag mit Position 215 so niedrig wie nie zuvor. „Das war ein erlesenes Feld mit zwei Young Guns wie Rudi Molleker und Felix Auger-Aliassime, alten Haudegen wie Carlos Berlocq und Dustin Brown, Newcomern wie die Finalisten Dellien und Londero und und und. Für uns ist keine Steigerung mehr möglich. Beim wunderschönen Neckar Cup in Heilbronn, das mit 85.000 Euro dotiert ist, lag der Cut bei 231 zum Vergleich. Selbst der ATP Supervisor Roland Herfel war baff als er unser Feld gesehen hat. Ich danke allen Helfern, Sponsoren, Partnern, Verbänden, Spielern, Schiedsrichtern, Trainern, Zuschauern und den Medien für eine tolle Woche Marburg Open.“




19.06.2018

Drei zukünftige Top Ten Spieler in Marburg

Es muss alles zusammen passen, dass man so eine Überschrift für die Marburg Open, gleichzeitig die internationalen Hessischen Meisterschaften, wählen darf ohne überheblich zu klingen. Doch Rudi Molleker, Nicola Kuhn und Felix Auger-Aliassime sind Ausnahmetalente, die allesamt schon ein Challenger gewonnen haben, obwohl sie nicht einmal 18 Jahre alt waren. Es gibt 8 Spieler weltweit, die in den letzten 30 Jahren sogar ein Challenger mit jungenhaften 16 Jahren gewonnen haben. Der Kanadier Felix Auger-Aliassime ist einer davon und wird in Marburg antreten, da er die Qualifikation für Wimbledon auslässt. Michael Chang gelang das Kunststück als einzigem Profi schon mit 15 Jahren. Auger-Aliassime befindet sich in illustrer Gesellschaft zum Beispiel mit Rafael Nadal und Bernard Tomic, der als letzter Youngster in 2009 erfolgreich war. Rudi Molleker gewann vor wenigen Wochen das mit 85.000 Euro dotierte Turnier in Heilbronn und schlug beim Mercedes Cup in Stuttgart Jan Lennart Struff. Er erhält die Wildcard des DTB. Nicola Kuhn (Foto) sorgte für die Überraschung im vergangen Jahr als er ungesetzt die Sparkassen Open in Braunschweig gewann, Deutschlands höchst dotiertes Challenger.
Turnierdirektor Heiko Hampl ist also nicht ohne Grund von der Meldeliste begeistert und sagt: „Das ist ein absolutes Ausnahmejahr, wenn es um die Youngster geht. Die drei bringen so viel Qualität mit, dass es jedem Zuschauer eine Freude sein wird Ihnen zuzuschauen wie sie ihren arrivierten Kollegen das Leben schwer machen werden. Man hat als Challenger nur ein schmales Zeitfenster, dass solche Talente kommen. Wir haben eben auch das nötige Quentchen Glück gehabt dieses Jahr.“

 

Doch auch die weiteren Meldungen lesen sich vielversprechend. Yannick Hanfmann, Mats Moraing, Oscar Otte, Matthias Bachinger und Publikumsliebling Dustin Brown vertreten die deutschen Farben. Sie alle spielen aber auch zunächst auf dem heiligen Rasen, Browns Lieblingsbelag. Und dann sind da Spieler von denen man noch nichts gehört hat, ähnlich wie Vorjahressieger Filip Krajinovic, der als 186 der Weltrangliste kam und nun Platz 29 bekleidet. Einer davon ist der Bolivianer Hugo Dellien. Er hat in den letzten 8 Wochen drei Challenger auf Sand gewonnen. Andere können eine schöne Geschichte von den French Open erzählen, wie Jurgen Zopp und Marco Trungelitti, die beide als Lucky Loser in das Hauptfeld kamen. Zopp schlug dann vor über 5.000 Zuschauern Jack Sock, die 14 der Weltrangliste, und Trungelitti den oben genannten Bernard Tomic.

 

 

Trungelitti ist in Marburg kein Unbekannter, stand er doch 2016 im Finale mit einer weiteren netten Anekdote erinnert sich Hampl „Ich bin 2016 nach seinem Halbfinalsieg in die Dusche zu ihm gerannt, weil gerade die Nachricht kam, dass das Trinkwasser in Marburg verunreinigt sei. Als ich ihm sagte, dass er nichts davon trinken solle, damit er nicht ausfällt fürs Finale, antwortete er: Heiko, ich komme aus Argentinien. Was soll mir passieren?"
22 Spieler sind für das Hauptfeld auf der sogenannten Acceptance List gesetzt. Das entspricht zwei Fußballmannschaften und wenn man die Weltranglistenpositionen der Spieler zu Grunde legt, sieht man in Marburg die Qualität wie in einem WM Viertelfinale. Es ist also wieder angerichtet für Weltklasse Tennis beim TV Marburg, wenn vom 30. Juni bis zum 7. Juli das einzige Sandplatzturnier der ATP in dieser Woche stattfindet.
Gerne kann man sich noch als Ballkind oder Linienrichter bewerben unter hampl@sportsbruder.de.
Tickets gibt es auf www.marburg-open.de und auch im Ticketshop der Oberhessischen Presse.




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